Doping im DSV?

Für das Phrasenschwein könnte ich beginnen mit - die Nachricht schlug ein wie eine Bombe - und so ganz falsch wäre die Aussage wohl auch nicht gewesen, wenn man bedenkt, was dort vor ein paar Tagen über die Ticker gelaufen ist. Merkwürdig ist daran nur, wie schnell dann auch wieder zurückgerudert wurde und wie scharf man sich nach außen von den Meldungen distanzierte. Versuchen wir mal ein paar Teile zusammen zu tragen und dann kann sich jeder ein eigenes Bild machen, oder auch noch Teile dazu tun, oder durch Diskussion entfernen. Fakt ist, dass Österreichs Langläufer zur Heim WM 1999 voll waren bis zum geht nicht mehr und sich dazu mit KnowHow aus der ehemaligen DDR eingedeckt hatten, was heute unter der Kausa Maier bekannt ist. Österreich ist also nicht zu klein für ein ordentliches Dopingsystem, wie dies der ÖSV Präsident gern darstellen möchte. Fakt ist, dass die damaligen Protagonisten noch heute in höchsten Verbandspositionen unterwegs sind und der Weg von Deutschland nach Österreich nicht weit ist. Fakt ist, dass eine Kaisa Varis aus Finnland im Langlauf positiv getestet wurde, nun zum Biathlon wechselte und wohl dort auch wieder mit einem Positivergebnis, was die Dopingtests betrifft, rechnen muss. Fakt ist, dass Evi Sachenbacher-Stehle und Jens Filbrich bereits Schutzsperren aufgrund zu hoher Hämatokritwerte erhalten haben. Fakt ist, dass die DSV Langläufer lange Zeit von einem gewissen Herrn Georg Huber betreut wurden, der im Rahmen des Doping Skandals rund um das Team Telekom von der Uniklinik Freiburg suspendiert wurde. Fakt ist, dass Hajo Seppelt als “ermittelnder ARD Redakteur” bereits im Radsport lange Zeit ausgebootet wurde, als die ARD noch Sponsor des Team Telekom war. Sicher hat er mit seiner Meldung gezockt und gehofft, dadurch einen Stein ins Rollen zu bringen, doch letztlich war sein Blatt zu dünn. Dafür wurde er jetzt sauber rasiert und hat wohl eher dafür gesorgt, dass weniger Wissen ans Tageslicht geraten wird. Denn Fakt ist, dass die ARD seit dem Radsportausstieg und dem preislich sehr günstigen Einstieg bei den DSV Vermarktungsrechten wieder in der gleichen Zwickmühle sitzt wie vorher im Radsport. Biathlon ist ein absoluter Quotenhit und bringt riesige Einnahmen. Ski Langlauf boomt und schafft mit der Tour de Ski ein neues, zukunftsfähiges und werbeträchtiges Format, Skispringen wird internationaler. Da kommt der nächste Dopingskandal beim neuen Zugpferd wohl eher ungelegen. Sicher ist es wahrscheinlicher, dass es sich in Wien um “alte Kamellen” handelt, denn wer kann wirklich noch so blöd sein, jetzt noch auf solch einfache Art und Weise zu betrügen, doch es wäre ja trotzdem ein gewaltiger Imageschaden, wenn die Helden von einst fallen würden. Daher wird in den Labors dieser Welt in letzter Zeit sicher erst mal ordentlich sauber gemacht, um Beweise a la Jan Ullrich nicht mehr möglich zu machen. Damit wird es für die Dopingfahnder natürlich wieder schwerer, den neuesten Betrügereien auf die Spur zu kommen.

Doch wollen wir hier ja nicht einseitig werden und mal schauen, was so Alles dagegen spricht. Da ist einerseits mein inneres Gefühl, denn ich stamme selbst aus dieser Generation Leistungssportler und ich kann es mir schlichtweg nicht vorstellen, dass sich diese Menschen in ein solch perfides System aus Lügen, Versteckspielen und Angst begeben. Der Herr Huber wird selbst von Radprof Jörg Jaksche als eher unbeteiligt in Schutz genommen. Eine große Freundschaft zwischen Österreich und Deutschland, oder gar eine Zusammenarbeit im nordischen Skisport kann man absolut nicht feststellen. Außerdem ist Fakt, dass die Leistungen der Langläufer und Biathleten sicher hoch sind, aber nicht übermenschlich a la Tour de France. Fakt ist, dass die Leistungsentwicklung anhand der FIS-Punkte bei den deutschen Athleten lehrbuchmäßig ist und ohne Leistungsexplosionen auch wenig Anlass zu Spekulationen gibt. Fakt ist, dass die Leistungsprotokolle der Formüberprüfungen ebenfalls eine Bestätigung für einen sauberen Sport darstellen. Fakt ist, dass eine Schutzsperre kein Hinweis auf Doping per se darstellt. Fakt ist, dass es keinen positiven Dopingtest gibt (das ist allerdings auch bei Jörg Jaksche so). Fakt ist, dass aus meiner persönlichen Sichtweise die Trainer nicht das Knowhow für Doping mitbringen. Im Radsport war dies ein über Jahrzehnte gewachsenes und entwickeltes System. Im Skisport gibt es nur wenige, die als Athleten selbst mit Doping in West und Ost Bekanntschaft gemacht haben, aber ob das ausreicht, um als Trainer die Intelligenz für ein Dopingsystem bei den Athleten zu entwickeln? Ich glaub es nicht. Für mich der wichtigste Punkt ist, dass man für “gutes Doping” vor allen Dingen eins braucht, nämlich viel Geld und da sehe ich in den nordischen Skidisziplinen und selbst im Biathlon nicht unbedingt die Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu Radsport, Fußball,…

Aber grundsätzlich ist es wohl auch ziemlich unwahrscheinlich, dass nur im Radsport die Bösen sitzen und alle anderen mit Fingern darauf zeigen können. Denn wenn ich an Jörg Jaksche denke, dann gibt es ein Guardia Civil Protokoll, in dem belegt ist, dass Fuentes als “sein betreuender Arzt” einmal 72 Stunden am Stück gearbeitet hat und kurz darauf der FC Barcelona das Champions League Finale gegen Arsenal London gewann. Das einzige öffentlich bekannt gewordene Bild und der einzige Name aus dieser 72-stündigen Observation ist das von Jörg Jaksche.

Es gibt also noch größere Hebel in der Welt des Sports und auch wenn durchaus Zweifel berechtigt sind, glaube ich nicht, dass deutsche Skisportler aktuell (ich bin Realist genug, um Wert auf das aktuell zu legen) dopen. Die Hand ins Feuer lege ich dafür nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Vielleicht will ich es auch nicht wahrhaben wie die vielen Fans eines Jan Ullrich.

Neue Trainer braucht das Skispringen in Deutschland

Die ersten Weltcups sind Geschichte und nach den vagen Hoffnungen der Skisprungfans in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der DSV-Adler hat sich wieder einmal Ernüchterung, Lethargie und Enttäuschung breit gemacht. Ein Top-Ten-Platz von Michael Neumayer steht zu Buche und ansonsten gilt es den Verfall deutscher Skisprung-Qualität zu konstatieren. Der Sonntag von Trondheim war das schlechteste deutsche Resultat in diesem Jahrtausend - der beste DSV-Adler landete auf Rang 26.

Entsprechend brodelt derzeit auch die Gerüchteküche, ob denn ein neuer Mann an die Skisprungspitze in Deutschland kommen wird und es scheint eher nur noch eine Frage des wann zu sein, als denn eine Frage des ob.

Dazu gesellt sich natürlich die Frage, wer denn den Job des Krisenmanagers übernehmen soll und auch will. Da ist zum Einen die Austria-Connection mit Heinz Kuttin (Oberhof) und Stefan Horngacher (Schwarzwald) an der Spitze, wobei die „Schwarzwaldfraktion“ sicher den größeren Einfluss im DSV hat. Auf der anderen Seite stehen auch durchaus einige ehrgeizige DSV-Trainer, die sich auf den Job bewerben werden und dann besteht ja auch wieder die Möglichkeit, aus dem Lager der Kombinierer Erfolgstrainer wie Andi Bauer abzuwerben.

Wer auch immer es sein wird, ein großer Berg an Aufgaben wartet auf den Bundestrainer.

Die Nachwuchsarbeit wurde in den Zeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt sträflich vernachlässigt.

Die Finanzmisere erschwert nicht nur die Nachwuchsarbeit, sondern auch die technische Entwicklung.

Das Amt des Bundestrainers wurde in den letzten Monaten immer mehr beschnitten und diverse Landesfürsten kämpfen um ihre Positionierung sowie persönliche Eitelkeiten.

Die Athleten sind finanziell gesättigt aus den „fetten Jahren“ und zeigen wenig Motivation. Sie zeigen sich stets zufrieden, sehen immer einen Aufwärtstrend und dreschen stets die gleichen Phrasen. Es fehlt ein Ruck, eine klare Positionierung zur Leistung und der unbedingte Siegeswille. Dazu gehört auch ein Trainer, der Athleten in den Hintern tritt, wenn diese lethargisch werden und nicht mit gleicher Lethargie reagiert. Stattdessen wurden mit Alexander Herr, Michael Möllinger und einigen anderen Athleten Exempel statuiert, die zum Einen teilweise unberechtigt waren und zum anderen die eh schon dünne Skispringerdecke in Deutschland weiter beschnitten haben.

Aufgrund der Nachwuchssorgen entsteht auch wenig Druck von unten, die „Etablierten“ vom Thron zu stoßen.

Wenn zwei Langzeitverletzte die besten Ergebnisse erzielen, dann stellt sich die Frage, was haben die anderen Profis den ganzen Sommer über gemacht?

Die ganze Mannschaft steht in Sachen Absprung oder Material deutlich hinter den anderen Nationen. Beides war einmal eine große Stärke der Deutschen.

Man darf also gespannt sein, wer denn demnächst als Feuerwehrmann präsentiert wird.

Nordic Walking als Therapie für Achim Achilles

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Text folgt

4. BR Fichtelgebirgs Nordic Walking Marathon

Fast 700 Nordic Walker und ich bei der Nordic Walking Trophy am Ochsenkopf dabei…

 

 

Samstag, der 30. Juni 5Uhr morgens, der Wecker klingelt. Oaah, das ist wirklich nur eine Zeit für frühe Vögel, aber die fangen bekanntlich den Wurm und so heißt es raus aus den Federn, denn heute geht’s ins Frankenland. Endlich einmal nicht hinter dem Tresen stehen und den Weidatal Nordic Walking Marathon (Link) organisieren, sondern aktiv mitmachen können, das muss also mein Tag werden und die Sonne blinzelt fast genauso müde durch die Wolken wie ich. Aber nach literweise Kaffee und zwei Nutellabrötchen als die optimale Vorbereitung auf mein Abenteuer geht es rein ins Auto und ab zu meinen Nordic Walking Freunden aus Weißendorf. Mit drei Bussen rollen wir von der Autobahn und schon dort weist uns die Beschilderung den rechten Weg. Im Gefreeser Ortsteil Kornbach erwarten uns die Organisatoren vom SC Gefrees in erfreulich entspannter Manier und ohne große Probleme erhalten wir die Startunterlagen. Kurz die Lage checken, Toilette suchen, um den Kaffee wieder los zu werden, Startnummer anlegen, sich über die Handschuhe als Teilnehmerpräsent gefreut und einen verschlafenen Gerd Rubenbauer auf der Bühne begrüßt. Solche Promi Highlights sind immer wieder ein Reinfall und auch diesmal kann die Aktion mit der Biathlon Olympiamedaillengewinnerin Katrin Zeller nicht wirklich rocken. Aber was solls, ohne Promi-Bonus läuft es sich eh viel entspannter und kurz vor dem Start entscheide ich mich dann doch gegen ein erstes Weizenbier (alkoholfrei natürlich) und für die kurze Kleidung. Auch wenn am Himmel dunkle Wolken hängen, vertraue ich auf die Kraft meines Sportlerherzens mit fast 60% Energieverlust in Form von Wärme. Also brav in die Startmenge eingereiht und mit leichter Verspätung los gewalkt. Im hinteren Feld geht es ganz entspannt zur Sache und ich feiere den ersten gelaufenen Kilometer, nachdem ich mit dem Landrat dann doch noch in den Promistatus erhoben wurde und als Organisator der Nordic Walking Trophy vom Veranstalter fotografiert werden musste. Bloß schnell tarnen und die Landschaft genießen, taktisch klug die erste Verpflegung auslassen und im Anstieg dann die schönste Technik auflegen. Entspannt und mit einem breiten Grinsen geht es an den Nordic Sprintern vorbei, die die ersten Kilometer im Eiltempo zurückgelegt haben und nun im Fels hängen. Nur das Wetter will uns heute unbedingt duschen, aber bei 15Grad habe ich eh immer die beste Form und so ein Regen bringt höchstens das MakeUp mancher Damen, oder die Tönung mancher Herren ins Schwitzen. Außerdem legt sich der Regen bald wieder und nach einigen Waldpassagen geht es dann doch auch mal wieder auf eine Freifläche. Doch leider bleibt uns heute der Blick zum Ochsenkopf im Nebel verwehrt und so heftet sich mein Blick an die Fersen der Vorderleute. Schon seltsam, welch Technik manche Leute an den Tag legen, aber Hauptsache sie sind glücklich, wobei, je weiter man nach vorn im Feld kommt, um so bissiger werden die Teilnehmer. Da wird gejoggt und die Stöcke werden getragen, der Blick geht stur nach vorn zum nächsten „Gegner“. Hey Jungs, wir sind hier nicht bei Olympia – möchte man ihnen am liebsten zurufen, aber man soll die Passion der Menschen respektieren und so entscheide ich mich dafür, an der nächsten Verpflegungsstation ausgiebig zu frühstücken. Typisch bayerisch gibt es dann jetzt ein alkoholfreies Weißbier zur Brotzeit und ich grüße die verbissenen Stiernacken mit Stöcken freundlich von der Seite. Mit steigendem Damenanteil der „Vorbeiläufer“ fühle ich mich wieder wohler und setze im gemütlicheren Schritt meine Tour fort. Dabei denke ich mir, bloß gut, dass wir bei der Trophy eine Geschwindigkeitsobergrenze eingeführt haben, denn irgendwie ist es sicher möglich, mit mehr als 8km/h zu walken, doch was hat das dann bitteschön mit entspanntem Gesundheitssport zu tun? Aber egal, jetzt gibt’s endlich wieder lachende Gesichter und Zeit für einen kleinen Plausch. So stelle ich mir Nordic Walking als Massenevent vor. Entspannten Schrittes im Ziel eintrudeln und die Verpflegung genießen. Die leckeren Kuchen der Vereinsmitglieder ausprobieren und sich mit Bekannten über die Strecke austauschen. Alles Bestens lautet da das Fazit und mit freundlichem Stock frei verabredet man sich zum Weidatal Nordic Walking Marathon am 16. September im Thüringer Vogtland.

Da stehe ich dann wieder hinter der Theke und glaubt mir, es gibt bei der Organisation eines solchen Breitensportevents weit mehr zu tun, als der interessierte Teilnehmer sieht. Daher seid friedlich und freundlich mit allen Organisatoren dieser Welt. Wir tun das für Euch und wir tun es gern.

Die Ergebnisse und Zwischenstände gibt es unter www.nordic-walking-trophy.de

Nordic Walking am Ende?

Da lässt sich Achilles nonstop in seiner Kolumne über all die bekloppten Nordic Walker aus und auch allgemein hört man in verbissenen Läuferkreisen nicht viel Gutes über die “Stockterroristen”. Schaut man sich dann den Markt an mit nur mehr einem Fünftel der Absatzzahlen von 2005, dann könnte man meinen, ein Trend wird soeben zu Grabe getragen.

Sicher gibt es zweifelhafte Angebote wie Nordic Defence, bei dem man Selbstverteidigung mit Nordic Walking erlernt, oder Nordic Trekking, wo das Wandern und die Orientierung mit GPS “neu” erfunden wird. Dazu kommen Unmengen an Anbietern und Verbänden, die alle für sich verbuchen, Nordic Walking erfunden zu haben und die “einzig richtige” Nordic Walking Technik zu vermitteln. Wenn man dann noch sieht, welche Qualifikationen manch einer dieser Protagonisten mit bringt, dann kann einem schon ein Fragezeichen in den Sinn kommen.

Doch fernab von all diesen Randerscheinungen gibt es ganz einfach den Trend hin zu mehr Gesundheit, Bewegung und Natur in unserer Gesellschaft. Da können sich die elitären Nike Free Träger noch so aufregen, immer mehr Menschen wollen sich bewegen und sie wollen dies nicht in Dimensionen von Kilometerstatistik und Marathon als Statussymbol tun, sondern sie wollen sich wohlfühlen, in der Natur sein, sich dabei unterhalten und ihrem Körper etwas Gutes tun. Dazu kann man stehen wie man will, letztlich ist es genau der richtige Weg und so wie ich akzeptiere, dass manch einer einen Nike Free braucht, anstatt einfach barfuß zu gehen, so sollte man auch die “Quasseltanten” im Park akzeptieren. Wenn sie dann noch gut aussehen, dann hat sicher kein Kilometerfresser der Welt was dagegen, wenn er seinen verschwitzten Körper in schlechter Lauftechnik an ihnen vorbeischieben darf.

Gesundheit findet jenseits von Leistungsdimensionen statt und Bewegung sollte immer vielfältig sein, daher kann man nur alle begrüßen, die sich auf machen und das Sofa verlassen, um die Natur sowie ihren Körper wieder neu zu entdecken. Nordic Walking, oder von mir aus auch einfach nur so tun als ob und Stöcke spazieren tragen, bietet dazu einfach eine perfekte Möglichkeit und ich kann nur jedem raten, es einfach mal zu testen. Am Besten bei einem guten Trainer, doch den zu finden ist mindestens genau so schwierig, wie den Schweinehund zu überwinden, aber es gibt ja zum Glück mittlerweile einige “Wachstumskerne” in Deutschland mit offensichtlich guten Trainern und dazu kann man sich auf http://www.nordic-web.de/ informieren. Wenn es einem Spaß macht, dann bleibt man eben dabei und wenn nicht, dann sucht man sich das heraus, was einem Spaß macht und lässt den anderen Menschen ihren Spaß.

So wie ich jetzt radeln gehen werde und all die verbissenen “Kette rechts Treter” grüßen werde, um dann in der kommenden Woche wieder voller Überzeugung sieben Nordic Walking Kurse zu geben, die Zeit mit meinen fitten Teilnehmern zu genießen und alle Menschen freundlich zu grüßen, die uns begegnen. Denn Sport in seiner vielfältigen Form ist die schönste Nebensache der Welt und wenn sich jeder, inclusive der Nordic Walker nicht so wichtig nimmt, dann haben alle mehr davon.

In diesem Sinne Stock frei.

Quo vadis Nordische Kombination?

Die Sonne lacht, die Vögel picken, das Gras wächst stetig und nichts zu … tun. Nicht wirklich, aber einfach mal Bock auf ein paar Zeilen und dann werde ich mich auf mein Rad schwingen, um fette Kilometer für die Form (welche auch immer) zu bolzen. Die Kombinierer haben dazu ja noch ein wenig Zeit, so dass sich ein kleiner Gedankenaustausch anbietet.

Die Nordische Kombination ist ja in der Tradition des Wintersports die Königsdisziplin, doch dank veralteter Strukturen, trägen Funktionären und Ungeschick derselben, führt die Disziplin weiterhin ein Schattendasein hinter dem Langlauf und dem Skispringen. Der Langlauf hat den Sprint erfunden, Massenstartwettbewerbe und die Tour de Ski eingeführt , im Skispringen hat man die Vier Schanzen Tournee, Skifliegen und das Nordic Tournament und die Nordische Kombination? Einen Warsteiner Grand Prix, den keiner kennt und der dann auch noch ausfällt. Da gewinnt ein Hannu Manninen vier Mal in Folge den Gesamt Weltcup und hat schon so manches Drama bei Höhepunkten ohne Medaille erlebt. Da holt ein Ronny Ackermann überraschend zum dritten Mal in Folge den Weltmeistertitel in der Gundersen Methode. Da gibt es Franzosen und Amerikaner, die in der Weltspitze mitmischen. Was will man also eigentlich mehr? Es gibt Stars und es gibt die nötige Internationalität. Was es nicht gibt, ist eine moderne Wettkampfstruktur und professionelle Vermarktung. Da muss dringend etwas getan werden und eigentlich gehörten die sicherlich verdienten und zu ehrenden Ulrich Wehlings und Co. einfach abgesägt, aber man müsste ja die Pöstchen für sie erst wieder erfinden.

Wenn man ins deutsche Lager schaut, da haben die Trainerklausuren der vergangenen Wochen zwar eine radikale Verjüngung der Kaderstruktur gebracht, so dass auch ein Juniorenweltmeister wie Florian Schillinger keine Chance mehr in Deutschland erhält, aber an der Spitze drückt es nicht wirklich die Massen nach. Es gibt zwar dank wirklich guter Arbeit im Nachwuchsbereich eine große Zahl Kombinierer und auch hoffnungsvoller Nachwuchstalente, aber ganz oben steht weiter Ronny Ackermann, dann kommt ein Björn Kircheisen, der weiterhin an sich selber scheitert und dann kommen Überraschungsolympiasieger Georg Hettich mit einer komplett verkorksten Saison sowie Sebastian Haseney. Sicher ist es dem Trainerteam um Hermann Weinbuch und Andi Bauer gelungen, Erfolge zu den Höhepunkte zu erzielen und das zählt letztlich, aber ein Björn Kircheisen ist psychologisch, taktisch und im Lebenswandel immer noch ein kompletter Amateur und die Generierung neuer Stars wird die große Herausforderung für die Zukunft werden.  Man darf also gespannt sein und kann jetzt erst mal den Eisbecher genießen. 

Von Nähmaschinen, Absprungwundern und Flugkünstlern

Es ist fast Mai und bei frühsommerlichen Temperaturen ist mir bei einem leckeren Kaffee einfach der Sinn nach ein paar Zeilen zur vergangenen Skisprungsaison.  

Wenn ich in das Skispringen der letzten Jahre schaue, dann ist der ganze Zirkus mittlerweile tatsächlich zu dem geworden, was er im alten Rom einmal war - Massenunterhaltung als Opium fürs Volk. Das hat natürlich Vor- und Nachteile, beispielhaft ist sicherlich die internationale Vermarktung des Skispringens, denn es ist ja im Kern ein schöner und faszinierender Sport, der auch die Freiheiten mit bringt, immer wieder neue Stars zu produzieren. Doch gibt es im Skispringen damit auch viel Geld zu verdienen und somit ist wieder ein gehöriger Antrieb da, zu bescheißen.

Für den interessierten Zuschauer nahezu unbemerkt (außer es werden wie in Willingen mal eben eine ganze Horde Norweger disqualifiziert), wird getrickst und getestet, dass sich die Balken biegen. Wenn man mittlerweile im Skispringen bestehen will, muss man zum Beispiel nähen können, um die Sprunganzüge ständig “zu optimieren”. Da werden Anzüge gebügelt, Schnitte verändert, Startnummern manipuliert, spezielle Unterhosen getragen, Spannbänder eingenäht undundund. Ein echtes Kasperletheater und ganz weit vorn sind dabei die Ösis und die Norweger. Gott sei Dank kann man da nur sagen, dass die FIS nicht dumm ist und mit den neuen Materialregeln Schritt für Schritt diesem Quark Einhalt gebietet, denn eigentlich sollten sich die Herren mal wieder mehr auf die Kunst des Skispringens konzentrieren und nicht so viel auf irgendwelche vermeintlichen Hilfsmittelchen. Dazu geht auch die Befürchtung im Skispringerlager um, dass man nach den Hungereskapaden der Vergangenheit nun zu kraftfördernden Mittelchen greifen könnte. Denn mit einer Anhebung des BMI auf 20,5 wird ja weiter die Position des kräftigeren Abspringers gestärkt und damit auch ein richtiges und wichtiges Signal an die Jugend gegeben. Doch wenn man daran denkt, dass auch Sportler manchmal faul sind, dann ist die Verlockung natürlich groß, dem Kraftzuwachs ein wenig nachzuhelfen, aber andererseits spielt im Skispringen dann doch wieder das Kraft-Last-Verhältnis eine Rolle und da wird es mit “Hormonkuren” schon wieder schwieriger. So bleibt am Ende der Saison dann doch auch eine Erkenntnis wirklich bestehen. Im Gegensatz zu Olympia, wo Morgenstern und Kofler sicher gute Sprünge gezeigt haben, aber eigentlich auch hätten disqualifiziert werden müssen, haben sich in dieser Saison meist die Athleten durchgesetzt, die einfach nur technisch saubere Sprünge gezeigt haben.

Da schmeckt der Kaffee und ich freue mich auf den Sommer.

Medaillen, Doping und ein paar Fragezeichen

Mit Tour de Ski, Vier Schanzen Tournee, Skifliegen und Weltmeisterschaften in Japan war der Winter zwar arm an Schnee, aber sicher nicht arm an Höhepunkten oder arm an Aufregern. 

Da hätten wir zum Einen die Nachwirkungen des Dopingskandals im österreichischen Langlauf- und Biathlon Lager von den olympischen Spielen in Turin 2006. Genauer gesagt schwelte dieser Konflikt ja bereits seit Salt Lake City 2002, als Putzfrauen nach den Spielen im österreichischen Quartier allerhand seltsames medizinisches Gerät gefunden hatten und man sich schon die Frage stellen musste, ob man auf einer Station für Schwerstkranke unterwegs war, oder ob dies “saubere” Spitzensportler seien. Wenn man dann zurückdenkt, dass ja 1999 das Langlaufwunder in Österreich bei der Heim WM in der Ramsau stattgefunden hat und man all dies mit der Causa Maier in Verbindung bringt, dann werden die Fragezeichen noch größer. Nach den nun bekanntgewordenen Details zu den Funden in Turin kann man eigentlich nur feststellen, dass die Schluchtenjodler gnadenlos gedopt haben und auch wenn man das dort nicht gern hören möge, die ewig gleichen Stereotypen von “ich bin mir keiner Schuld bewusst”, sollte man bei Seite lassen und akzeptieren, dass man Scheiße gebaut hat und von vorn beginnen. Wobei, das mit dem Neuanfang wird wohl schwierig, wenn einer der Protagonisten (Markus Gandler) mittlerweile die Langlauf- und Biathlonfäden im Verband zusammenhält und auch für den gestrauchelten Walter Maier wieder ein trockenes Plätzchen in der Ramsau gefunden hat. Ich habe selbst mehr als 20 Wochenstunden trainiert und frage mich einfach, warum man so viel Zeit in Dinge investiert, die einen einfach nur schlecht schlafen lassen, anstatt hart zu trainieren. Ich kenne all die ökonomischen und psychologischen Theorien, die letztlich zu dem Ergebnis führen, dass in all den Sportarten in denen es Geld zu verdienen gibt, auch immer Doping eine Rolle spielt und damit der Sportler letztlich gar nicht anders kann als anzunehmen, die anderen würden auch dopen und dann das Gleiche zu tun. Ich kapiere das Verhalten aber trotzdem nicht. Auf der einen Seite wild mit allen möglichen Mitteln zu experimentieren, die noch nicht einmal für die medizinische Anwendung zugelassen sind und damit den Kontrollen zu entgehen, sich aber im höchsten Maße gesundheitlich zu gefährden, oder auf der anderen Seite die “bekannten Mittel und Wege” mit EPO, Hormonen und Co. zu beschreiten, wobei man da ja doch immer die Angst haben muss, erwischt zu werden, oder über den Grenzwerten zu liegen. Gut, dann dopt man sich eben nur an die Grenzwerte heran, nur wie sieht es da mit dem Thema Moral, Ethik, ruhig schlafen können und Co. aus? 

Du alter Moralist. Ja gut, aber Moral sei mir egal, man überlege sich doch einfach mal den Aufwand, wenn man sich nicht wie die Russen, die Österreicher oder ein Jan Ullrich irgendwann mal erwischen lassen will. Irgendwie heimlich in einem abgeschotteten und sektenähnlichen Zirkel all die medizinischen Fachkenntnisse erwerben, all das Gerät und die Mittelchen auf dem Schwarzmarkt besorgen und dann auch noch anwenden, ohne dass es jemand bemerkt. 

Ich kenne Hochleistungssport und ich kenne viele Hochleistungssportler. Meine ehrliche Meinung ist, wenn man sein Training mit der gleichen Akribie und mit dem gleichen Aufwand plant und durchführt, wenn man seine Ernährung und Regeneration optimiert, wenn man im Bereich der Psyche und Taktik trainiert, dann erzielt man garantiert mehr Leistungssteigerung als mit all diesem Kram, der einen letztlich einfach nur schlecht schlafen lässt. Wer dazu natürlich zu faul ist, egal ob Trainer oder Athlet, der wird leichter zu diesen Mittelchen greifen, aber letztlich doch kein ganz Großer werden. Außer im Radsport, dort waren ja alle Großen, von Eddy Merkx über Lance Armstrong bis Jan Ullrich gedopt ;-). 

Ob in anderen Nationen gedopt wird, kann keiner sagen, aber eine Meinung darf man haben und da zeigt es sich immer wieder, dass in den Weiten Russlands wohl doch auch manch illegaler Pfad betreten wird, oder dass eine Virppi Kuitunen schon 2001 mit in den Dopingskandal von Lahti verwickelt war und auch weiterhin von einem der damals gesperrten Trainer betreut wird. Persönlich glaube ich jedoch nicht, dass im deutschen Lager ähnliche “Sekten” bestehen und es bleibt zu hoffen, dass es der WADA gemeinsam mit der Justiz gelingt, die Dopingproblematik weiter einzuschränken.

Gips statt Gold - Diskussion zum Trainingssturz von Michael Uhrmann bei der WM in Sapporo

Gips statt Gold – so titeln die Gazetten und leider ist es traurige Wahrheit, für den derzeitigen deutschen Vorzeigespringer Michael Uhrmann ist die Weltmeisterschaft in Japan vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat. Beim ersten Training der Spezialspringer auf der Großschanze von Sapporo sprang Michael Uhrmann im zweiten Durchgang auf hervorragende 131m. Das war der bis dato zweitweiteste Sprung, doch bei der Landung verkantete Uhrmann im leichten Neuschnee und knickte mit dem Fuß im Schuh böse um. Der Olympiavierte von Turin konnte nicht selbst aufstehen und wurde von sechs Helfern mit einer Trage aus dem Auslauf gebracht. Nach einer 45-minütigen Behandlung durch Teamarzt Christoph Rühl brachte ein Krankenwagen den Bayer ins Hospital, um von dort eine Stunde später die Information zu erhalten, dass der Mittelfuß Uhrmanns gebrochen sei. Damit ist für ihn die WM beendet, Bundestrainer Peter Rohwein reagierte entsprechend fassungslos und Martin Schmitt fand das scheinbare deutsche Pech einfach nur „Scheiße“.

Doch man darf schon die Frage stellen, wie kann eine solch beispiellose Verletzungsserie passieren?

Im vergangenen Winter erlitt der Thüringer WM-Starter Jörg Ritzerfeld einen Kreuzbandriss im Knie. Im Sommer musste Uhrmann wegen eines Außenbandrisses im linken Sprunggelenk mehrere Wochen pausieren, danach folgte in der Saison-Vorbereitung ein Schlüsselbeinbruch von WM-Starter Stephan Hocke. Zu Saisonbeginn musste Team-Vizeweltmeister Michael Neumayer nach einem Kreuzbandriss im Knie die Saison vorzeitig beenden und seine WM-Träume begraben. Beim Weltcup in Titisee stürzte Martin Schmitt bei der Landung und holte sich eine Gehirnerschütterung mit Haarriss im Kiefer und auch Michael Uhrmann stürzte im Schwarzwald, trug aber dort „nur“ Prellungen davon, um nun vorzeitig seine WM-Hoffnungen zerplatzen zu sehen.

Es gibt keine Zufälle im Leben, das sagt nicht zuletzt auch der erfolgreichste Wintersportler Österreichs, Felix Gottwald und eine alte Trainerweisheit sagt, „man verliert, was man nicht trainiert“. Aus dieser Sicht lassen sich ganz einfach Mängel im deutschen Skisprungsystem erkennen und vor allen Dingen bei der jetzigen Generation der deutschen Skispringer. Auf eine allgemeine Grundausbildung wurde in der Vergangenheit zu wenig Wert gelegt, frei nach dem Motto, was wollen wir mit Koordination, wir sind doch Skispringer.

Doch wie oft stürzen österreichische Skispringer und noch dazu, erinnern Sie sich noch an den Horrorsturz von Thomas Morgenstern in Kuusamo vor zwei Jahren? Ein paar Tage später stand er wieder auf der Schanze. Warum? Weil diese Athleten eine deutlich bessere Basis an Feinmotorik und Körperbeherrschung vermittelt bekommen haben, als dies in Deutschland der Fall ist und damit ist es ihnen möglich, auch bei schwierigen Verhältnissen wie in Titisee, oder in Sapporo, angemessen zu reagieren und auch Stürze motorisch besser zu verarbeiten. Der deutsche Skispringer kennt nur Fußball, Skispringen und Sprünge in der Halle, wenn man dann mal eine Stunde am Strand Aerobic mitmacht, wird das schon als Sensation in den Medien verkauft.

Haben Sie im Gegensatz dazu schon einmal deutsche Kombinierer im Nachwuchs erlebt? Dort bekommt man Hausaufgaben mit auf den Weg, welche Kunststücke man mit Inline-Skates, oder Bällen erlernen muss und man fährt ins Hallenbad, um akrobatische Sprünge vom 3-Meter-Turm zu üben. Alles mit der Idee, ein Höchstmaß an Körperbeherrschung zu erzielen, um damit flexibel auf alle Umstände reagieren zu können.

Man verliert, was man nicht trainiert – in Skandinavien herrschen oft miese Witterungsverhältnisse an den Schanzen und man trainiert trotz, oder gerade wegen diesen Verhältnissen. In Deutschland verschiebt man lieber das Training mit dem Ergebnis, dass es bei nicht sterilen Wettkampfverhältnissen immer eine Ausrede bei den schlechten Bedingungen zu suchen gibt. Alles nur, weil andere besser damit zurecht kommen, eben weil die das trainiert haben. Genauso wie man Sprünge mit Telemarklandung im hohen Weitenbereich trainieren kann, kaum ein deutscher Skispringer allerdings eine saubere Telemarklandung beherrscht, sondern eher immer seine Landung auf den Hinterfuß setzt und dann noch eine Knickbewegung in den Beinen macht, um die Kampfrichter mehr oder weniger zu täuschen. Doch genau diese Angewohnheit wurde Michael Uhrmann nun zum Verhängnis.

Verletzungen passieren nicht einfach als unausweichlicher Schicksalsschlag, sondern es sind situativ entstandene Ergebnisse aus Fehlern der Vergangenheit. Man könnte also weiter fragen, wie sieht es mit der Ernährungsbetreuung unserer Adler aus? Nach den Hungerkuren der Vergangenheit und der neuen BMI-Regel mit dem gnadenlosen Kraftbolzen in jüngster Zeit fragt sich der Beobachter schon, warum man Alles hat und viel Geld verdient, nur keine psychologische Betreuung und keine Betreuung in Hinblick auf die Ernährung erfolgt, wo doch das Gewicht so maßgebend ist, andererseits die Muskeln jedoch schnellkräftige Höchstleistungen vollbringen sollen.

 

Schade für Michael Uhrmann, der als ehrgeiziger Sportler nun zum Zuschauen verdammt ist, doch der Fehler steckt im System.

Ein etwas anderes Fazit zur 55. Jack Wolfskin Vier Schanzen Tournee

Neue Helden und alte Stars, große Spannung und viele Zuschauer, viel Gerede über den Zustand des deutschen Skispringens und die Illusion von der Planbarkeit des perfekten Sprungs

 

 

Ach ja, könnte man den Klimawandel doch auch für die Misere im deutschen Skispringen verantwortlich machen, wie einfach wäre die Welt. Stattdessen ist Skispringen so verdammt kompliziert und dann spielt auch noch der Kopf und das Wetter und das Material und das Glück eine Rolle und vor allen Dingen soll der Kopf des Trainers endlich rollen.

Als Skisprungfan kann man sich über derartige „Skisprung-Experten“ und Medien nur wundern, denn andererseits ist ein Simon Ammann im Jahr 2002 mit der Leichtigkeit des Seins zu zwei Olympiasiegen gesprungen und das man den Sprüngen eines Gregor Schlierenzauer oder eines Anders Jacobsen derzeit etwas kompliziertes abringen könnte, oder man von ihnen hören würde, dass sie großartig über ihr „System Sprung“ nachdenken, bleibt auch Illusion.

Man könnte also meinen, es gibt derzeit zwei Pole in der Welt des Skispringens. Auf der einen Seite die jugendlichen Überflieger um Arttu Lappi, Anders Jacobsen, Gregor Schlierenzauer und einige weitere, die völlig unbekümmert für sich ein System gefunden haben, was sie aktuell befähigt, das Niveau in der Weltspitze mit zu bestimmen. Und auf der anderen Seite die „alten Stars“ und Denker der Szene, wie ein Adam Malysz, oder ein Janne Ahonen, die einfach wissen, was sie zu tun haben und wie es geht und sich damit Jahr für Jahr wieder in der Weltspitze einfinden, dies jedoch mit einer sehr systematischen und analytischen Arbeit erreichen. Dazwischen klafft dann das Nirgendwo der Mittelmäßigkeit und irgendwo dort befinden sich wohl aktuell auch unsere deutschen Skispringer. Dass dies deswegen nicht schlimm oder gar hoffnungslos ist, zeigen ja gerade Beispiele wie ein Adam Malysz, oder ein Simon Ammann. Der Schweizer wurde bei dieser Tournee Dritter und rund fünf Jahr zuvor Doppelolympiasieger. Dazwischen kam lange NICHTS, man könnte also fragen, was in dieser Zeit passiert ist und genau das ist das Entscheidende. Es gab schon viele junge und talentierte Skispringer und es wird sie auch immer wieder geben die jugendlichen Überflieger, eben weil sie mit einer Unbekümmertheit und Lockerheit ans Werk gehen, wie es ihnen nun mal nur die jugendliche Leichtigkeit möglich macht. Doch danach passieren die entscheidenden Dinge, denn eine solche Form kann man nicht einfach konservieren und bei Bedarf die Dose wieder aus dem Kühlschrank nehmen, sondern es muss ein Wandel stattfinden zu einem bewussten und konsequenten Arbeiter. Das macht den Unterschied aus zwischen einem Janne Ahonen, der mit 16 Jahren im Weltcup vorne war und einem Janne Ahonen von heute.

Man ist jung, hungrig und begeisterungsfähig, Alles ist neu und man will es der Welt zeigen. Skispringen ist dann einfach nur geil und es geht darum, ganz locker und ohne darüber nachzudenken, was das Alles soll, einen raus zu hauen. Doch mit den Erfolgen steigen die Ansprüche und auch die Anforderungen, die die Umwelt an den Athleten stellt, der nächste Sommer kommt und im nächsten Winter steigt man mit einem Male 20 Stufen höher auf der Leiter ein. Da geht es natürlich nicht mehr so rasant weiter und man bekommt Fragen gestellt, was denn nur los sei und man fängt an nachzudenken, warum man denn mit einem Male nicht mehr so gut springt und schon ist es vorbei mit der geilen Zeit und der jugendlichen Überfliegerei.

Dann beginnt entweder das Ende so vieler Skisprungstars a la Toni Nieminen, Reinhard Schwarzenberger, Matti Nykänen und Co., oder aber „der lange Weg des Leidens“. Allerdings würde ich diesen nicht als solchen bezeichnen, denn es geht vielmehr darum, dass man versucht für sich selbst das System Skisprung zu durchdringen und bewusst die einzelnen Bausteine eines Sprungs zu beeinflussen. Mit all dem vielen Training in Kindheit und Jugend sind diese Athleten dazu in der Lage, auch wenn es für uns unvorstellbar scheint, bei einer Bewegung, die in einer Geschwindigkeit von über 90km/h innerhalb von wenigen Millisekunden vonstatten geht, etwas zu verändern. Darauf muss man sich besinnen und es nicht einfach nur geschehen lassen. Das ist mit vielfachem Scheitern verbunden und sieht dann so aus, wie wir es bei Martin Schmitt seit mehreren Jahren mit verfolgen könne.

Doch auch wenn man irgendwann diese Hürde genommen hat, ist der Weg zum „alten Star“ noch weit. Mit allen Analysen aus Windkanal und Winkelvermessung, aus Videoaufzeichnung und Materialoptimierung wird man trotzdem nie einen guten Skispringer basteln können. Selbst wenn man Wind und Wetter weg rechnet, ist das Modell noch viel zu komplex, als das man es durchdringen könnte und eine Sache bleibt dabei völlig außer Acht und das ist die psychologische Komponente beim Skispringen.

Mut ist dabei die eine Seite, doch es geht vor allen Dingen auch um die bewusste Regulation seiner Selbst, um das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, um das Können, los lassen zu können und ähnlich dem jugendlichen Überflieger einfach zu springen, nur eben bewusst.

Schaut man den deutschen Skispringern derzeit zu, dann sieht man richtig den Krampf und den Kampf, den sie führen. In diesem Zustand ist Skispringen brutal harte Arbeit und macht absolut keinen Spaß, oder haben Sie in diesem Winter schon einmal einen deutschen Athleten lachen sehen?

Die Skispringer hören es nicht gerne, doch genau an dieser psychologischen Komponente könnte man sehr stark arbeiten und bewusst oder unbewusst haben genau dies Athleten wie ein Adam Malysz, ein Janne Ahonen, ein Andreas Küttel und andere getan. Wenn man ihnen auf der Schanze zu schaut, dann haben sie für sich ein System gefunden, sich innerlich zu beruhigen und die mentale Kraft und Konzentration aufzubauen, um einfach einen Sprung geschehen zu lassen, denn mit dem Bewusstsein kann niemand Nuancen im Millisekundenbereich steuern, das geht nur über die „Modulation des Unbewussten“.

Dies systematisch und strukturiert ins Training einfließen zu lassen, wäre ein großer Ansatz doch tut man sich derzeit im Skispringen ähnlich wie im Fußball noch sehr schwer damit.

 

Ergebnis all dieser Mühen über Jahre sind dann die „alten Stars der Szene“, die es über Jahre hinweg geschafft haben, einen guten Sprung bewusst zu „erzeugen“. Ein Simon Ammann hat es dort hin mit seinem dritten Platz geschafft und sagt heute „seien die Sprünge wunderschön“, früher nannte er es „einfach nur Geil“.

Ein Martin Schmitt arbeitet sehr stark daran und ich bin überzeugt, dass er das Potential dazu hat, auch wieder ein absoluter Siegspringer zu werden und das dann sicherlich auf Dauer. Denn sein System geht in die richtige Richtung, was er braucht ist mentale Unterstützung und Erfolgserlebnisse, die man in der jetzigen Situation nur unter Einwirkung eines klein wenig Glücks produzieren kann. Jens Voigt hat als Hasardeur der Tour de France einmal gemeint, dass man das Glück eben so lange Prügeln müsse, bis es einen beschenkt, um in Ruhe gelassen zu werden.